Kreislaufstrategie 22+

 

Weitergeben, Wiederverwerten, Reparieren: das sind Aspekte der Kreislaufwirtschaft. In ihr werden Produkte und Materialien möglichst lange in Umlauf gehalten. Was noch zu gebrauchen ist, erhält ein neues Leben. Der Verband SwissBeton hat eine neue Kreislaufstrategie verabschiedet.

Die Kreislaufstrategie von SwissBeton beinhaltet eine Definition zur grundsätzlichen Haltung des Verbands sowie sechs Grundsätze, die verschiede Aspekte im Umgang mit dem Thema genauer beleuchten.

 

Haltung

Die SwissBeton-Mitgliederfirmen fördern die Kreislaufwirtschaft in Ihren Produktionen für Betonvorfabrikate und tragen so zu einer Begrenzung des ökologischen Fussabdrucks der Branche und zur Rohstoffversorgungssicherheit in der Bauwirtschaft bei.

 

Grundsätze

Ökologischer Fussabdruck: Die SwissBeton-Mitglieder sind bestrebt, die CO2-Emissionen in ihren Produktionen zu begrenzen. Sie fördern ein regeneratives System, in dem Ressourceneinsatz und Abfallproduktion, Emissionen und Energieverbrauch durch das Schliessen von Kreisläufen minimiert werden.

Langlebigkeit: Die SwissBeton-Mitglieder fördern die langlebige Konstruktion, die Instandhaltung, Reparatur und Wiederverwendung sowie das Recycling ihrer hergestellten Produkte. Sie verlängern damit deren Lebenszyklus und reduzieren den Bedarf an grauer Energie.

Rohstoffsicherheit: Abbruchgebäude sind die Rohstoffminen der Zukunft. Die SwissBeton-Mitglieder integrieren wo immer möglich Recyclingkreisläufe in ihrer Produktion, und fördern Innovationen auf diesem Gebiet.

Kurze Transportwege: Betonprodukte sind schwergewichtige Massenprodukte. Das Transportieren über lange Strecken macht ökologisch und wirtschaftlich keinen Sinn. Die SwissBeton-Mitglieder engagieren sich für eine möglichst schlanke Logistik.

Zusammenarbeit: Die SwissBeton-Mitglieder fördern Kooperationen im Bereich der Kreislaufwirtschaft und suchen das Gespräch mit Architekten, Bauherren und Ingenieuren, um sie von der Qualität ihrer Recycling-Produkte zu überzeugen.

Schweizer Standards: Qualität und Nachhaltigkeit gehören zusammen. Die SwissBeton-Mitglieder produzieren ausschliesslich nach Schweizer Standards und verwenden inländische Rohstoffe, wo immer möglich.

«Wir müssen Innovationen fördern»

Roger Schmid ist Geschäftsführer der STEINAG Rozloch AG und Vorstandsmitglied bei SwissBeton.

 

Roger Schmid, warum ist es so wichtig, dass sich auch die Branche der Betonvorfabrikanten mit dem Thema Kreislaufwirtschaft beschäftigt?

Die Betonproduktion hat in Bezug auf die Nachhaltigkeit einen eher schlechten Ruf. Dabei hat der Werkstoff viele Vorteile. Er ist langlebig und wiederverwertbar. Angesichts der aktuellen Klimadiskussionen fühlen wir uns verpflichtet, unseren Teil beizutragen und den ökologischen Fussabdruck bei der Produktion von Betonelementen möglichst gering zu halten. Hier können wir viel tun.

 

Warum ist die Langlebigkeit ein so grosser Pluspunkt?

Nachhaltigkeit heisst ja nicht nur, dass alles, was produziert wird, recycelt werden soll. Denn auch dafür wird Energie verbraucht und Transporte fallen an. Viel nachhaltiger ist es doch, Dinge herzustellen, die möglichst lange halten. Gerade in der Bauwirtschaft. Mit unseren vorfabrizierten Betonelementen schaffen wir solide, langlebige und wiederverwendbare Konstruktionen. Damit halten wir den Bedarf an grauer Energie auf einem tiefen Niveau.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Wir stehen in der Verantwortung, nachfolgenden Generationen eine gesunde und schöne Welt zu hinterlassen, in der es sich zu Leben lohnt. Das heisst, wir müssen jetzt handeln und die Kreislaufwirtschaft auch in unserer Branche umsetzen. Und wir müssen weiterhin Innovationen fördern, etwa im Bereich der CO2-Speicherung. Auch dafür eignet sich Beton hervorragend.

«Wir können voneinander lernen»

Carla Tschümperlin ist Geschäftsleiterin der Tschümperlin AG und Vorstandsmitglied bei SwissBeton.

 

Carla Tschümperlin, was sind die Vorteile von Betonvorfabrikaten, wenn es um die Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft geht?

Beton ist langlebig, recyclebar und aufgrund seiner Materialdichte ein hervorragender Energiespeicher. Und er ist ein Produkt aus der Region. Das fängt bereits bei den Rohstoffen an – sie sind in der Schweiz in ausreichender Menge verfügbar.

 

Die Rohstoffe sind aber auch besonders schwer. Ist der Transport – gerade bei vorfabrizierten Betonelementen – nicht problematisch?

In unserer spezifischen Branche, der Produktion von Betonvorfabrikaten, sind wir fast ausschliesslich regional tätig. Denn der Transport von Betonvorfabrikaten über lange Strecken macht bei einem so schweren Produkt ökologisch und wirtschaftlich natürlich keinen Sinn. Insofern sind wir bestrebt, die Kosten und den CO2-Fussabdruck auch beim Transport möglichst gering zu halten.

 

Wo sehen Sie die Chancen in der Zusammenarbeit der Branche?

Allein können wir die Welt nicht retten. Darum fördern wir bei SwissBeton die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen den Mitgliederfirmen. Gerade im Bereich Kreislaufwirtschaft können wir voneinander lernen. Und zusammen können wir Architekten, Bauherren und Ingenieure für qualitativ hochwertige Kreislauf-Betonprodukte begeistern.

«Betonprodukte können Teil der Lösung sein»

Ueli Büchi ist Präsident von SwissBeton

 

Ueli Büchi, was genau können Produzenten von Betonvorfabrikaten tun, um die Kreislaufwirtschaft zu fördern?

Ich persönlich schaue in letzter Zeit mit ganz neuen Augen auf Abbruchgebäude. Sie sind die Rohstoffminen der Zukunft. Wir müssen Wege finden – und bestehende Bestrebungen fördern – damit Betonelemente aus solchen Gebäuden ein zweites Leben erhalten. Viele Firmen fördern zudem gezielt Innovationen auf dem Gebiet von Recyclingbeton.

 

Wo sehen Sie zusätzliches Potenzial?

Beton ist der meistgenutzte Baustoff weltweit und er wird vor allem mit hohen CO2-Emissionen bei der Zementherstellung in Verbindung gebracht. Dabei könnte Beton ein Teil der Lösung sein. Denn neue Technologien ermöglichen es, dass man CO2 in Beton speichern kann. Dabei wird das Kohlendioxid in seine Urform, in Kalkgestein zurückverwandelt. In dieser sogenannten «Carbonatisierung» steckt enormes Potenzial.

 

Wenn Sie sich die Branche im Jahr 2050 vorstellen – wo stehen wir dann?

Ich würde mir wünschen, dass die Kreislaufwirtschaft im Jahr 2050 keine Frage des Good-Wills und der Machbarkeit sein wird. Sondern dass wir Prozesse etabliert haben, in denen gebrauchte Betonprodukte ganz selbstverständlich wiederverwertet werden und in denen unsere neuen Produkte aus Sekundärrohstoffen bestehen.